Unbeschreibliche Trauer

Ruthje
11.06.1930
14.01.2015

Liebste Mutti,

ich musste erst im Kalender nachschauen morgen Nacht ist es schon 3 Wochen her, dass du mich verlassen hast. Es fühlt sich so an als wäre es erst gestern gewesen. Ich kann es immer noch nicht glauben. Du konntest so gehen, wie du und ich es dir gewünscht haben: plötzlich und schnell. Trotzdem bin ich sooo schreckliche traurig.

Vor 24 Jahren ist Vati von uns gegangen, auch da war ich so traurig. Obwohl er sehr krank war und ich für ihn gehofft habe, das er nicht mehr lange leiden muss. Der Verstand erzählt so viel - aber das Herz schmerzt.

Bei dir Mutti, bei deinem "Gehen" schmerzt mein Herz noch viel mehr. Es so ein dumpfer Schmerz. Ich muss so häufig in Tränen ausbrechen - ich könnte schreien - aber du kommst nicht wieder.

Wir beide hatten einen schweren Weg miteinander. Durch meine Krankheit in den letzten 2 Jahren hatten wir die Möglichkeit einander näher zu kommen. Auch dadurch weil ich dir viele Dinge aus dem Herzen erklären konnte. Vorher war es nur mein Verstand, der manches erklärt hat. Die Erklärung des Herzens konntest du annehmen weil du gemerkt hast, ich liebe dich über alles. Ich konnte nur nicht soviel Nähe vertragen, wie du es dir gewünscht hättest - nein, wie du es gebraucht hättest. Ich habe so viele Karten, Briefe und Geschenke von mir an dich gefunden, die zeigten wie sehr ich dich liebe. Das konntest du nie so annehmen. Vielleicht hast du gedacht, ich wollte damit mein Gewissen beruhigen oder es aus Verpflichtung tun - aber es war meine Art dir zu zeigen: ich liebe dich und ich denke ganz viel an dich. Ich war jeden Dienstag für dich einkaufen. Während meiner Krankheit haben wir auch zusammen gekocht an dem Tag und gegessen. Das war so schön und entspannt. Wir haben jeden Tag mind. 1 x miteinander telefoniert. Das war mir manchmal zuviel aber ich wusste für dich war es schön. Dankbar bin ich, dass du dies akzeptiert hast. In deiner letzten Woche sagtest du: ich freue mich, dass du mich anrufst und weiß das es dir nicht immer leicht fällt. Und du hast mir gesagt: Kind ich weiß nicht, was so zwischen uns steht. Irgendetwas ist da, was wir beide nicht wissen. Es erleichtert mich so sehr, dass du es zum Schluss auch so "unerklärlich" gemerkt hast. Es war keine fehlende Liebe zwischen uns. Wir haben beide das an Liebe dem anderen gegeben was wir konnten. Wenn es auch nicht genau so war, wie es der andere oder was der andere sich gewünscht hätte.

Mutti ich liebe dich so sehr. Das werde ich immer tun. Im Augenblick geht es mir so schlecht weil ich mich so nach dir sehne. Ja, auch nach deinen und meinen Telefonanrufen. So ist das im Leben... im Nachhinein...

Du bist die beste Mutti der Welt! Ich liebe dich - auf Ewig.

Ich vermisse es soooo sehr, wenn ich dich bei etwas erwischt habe (geflunkert oder so) dass du zu mir ganz - unschuldig schauend - gesagt hast: Hänschen!!! Egal wo wir waren (im vollen McDonalds zb). Ich - dein Hänschen - war zu dem Zeitpunkt 50 Jahre alt und ich bin 1,80 groß und weiblich :-)))). Solche Dinge werde mir ewig in Erinnerung bleiben. Du hattest soviele Koseworte für mich.

Ich hätte so gerne Briefe, an mich von dir. Die gibt es leider nicht. Irgendwie hast du mir nie einen Brief geschrieben. Du mochtest deine Schrift nicht und warst auch nie viel in Urlaub. Ich hätte ihn jetzt so gut gebrauchen können.

Ich liebe dich, liebe dich, liebe dich.

Ich hoffe, dass du friedlich ins Licht gegangen bist - erwartet von Vati und deinem Vater. Auch wenn dies nicht deinem Glauben entspricht. Ich denke aber, dass das für uns das menschlichste Sterben ist. Es gibt mir ein kleines bisschen Trost. Trost, dass du wenigstens im Tode das bekommst, was du immer ersehnst hast. Dass du siehst und es annehmen kannst, dass dich viele Menschen lieben, mögen und so akzeptieren wie du bist.

Du bist in meinem Herzen liebste Mutti deine
Mausi.

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